Spätsommer-Lektüre

Dschungel "Berlin".
Ein Lieblingsbaum im Karma-Garten zu Rixdorf.

Tatsächlich End-Zeit-Lektüre ist Dorothee Elmigers ambitionierter Roman "Die Holländerinnen".

Zu Recht Trägerin des Deutschen Buchpreis 2025,  erstaunt die wirklich aus dem Gros der Neuerscheinungen der letzten Jahre herausragende Form des Konjunktiv, der unmittelbar in ein Un(be)greifbares hinein zieht. Groß sind die letzten Sätze des Buchs, der Rest schlicht brillant.
Was eventuell dem einen oder der anderen fehlen mag, ist "Leben" jenseits des Reißbrett-Entwurfs.

Dennoch stark und hypnotisch!


Christian Kracht und Katie Kitamura lesen "heuer" (wir klauen das Wort als Reminiszenz zum Bachmannpreis) gemeinsam auf dem 26. Internationalen Literaturfestival Berlin.
Grund genug, sich das neue Buch der Autorin, "Die Probe", mal genau anzuschauen.

Der Roman erinnert (die Paganini´s) zu sehr an Yasmina Rezas Versuchsanordnungen, als dass wir das Buch uneingeschränkt lieben könnten. Dennoch ist es spannend und unterhaltsam auf eine konzeptionell und sprachlich sehr exquisite Art und Weise und lohnt somit zur Lektüre. Psychologisch ist der ungewöhnliche Inhalt zudem glaubwürdig, obwohl er als reine Nacherzählung mehr als stutzen lässt. Das Buch bezieht seinen Thrill aus dem verstörenden "Blick" des Lesers auf eine Eskalation, deren Grund ungreifbar scheint und so zum Abgrund wird. 

(Mit "Pop-Literatur" und Kracht hat es auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam, doch wer weiß ...
Mehr zur gemeinsamen Lesung (oder dem Gespräch) hier ->)

Beide o.g. Bücher (Elmiger u. Kitamura) führen trotz ihrer Verschiedenheit in ein zunehmendes Ungemach, in eine Undurchdringlichkeit von Wahrheit hinein, in ein Entgleiten von Welt.
Damit porträtieren beide Autorinnen auf ihre spezielle Weise ein Grundgefühl unserer Zeit!

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